Rechtliche Hürden bei der Planung und Durchführung von Retreats (I)

Rechtliche Hürden bei der Planung und Durchführung von Retreats (I)

Retreat-Reisen sollen für alle Beteiligten eine entspannende und schöne Erfahrung sein. Und in aller Regel bleiben auch nur tolle Erinnerungen zurück. Aber auch bei Gruppenreisen in Form von Retreats müsse wir uns mit den rechtlichen Hürden bei der Planung auseinandersetzen. Denn die schönste Reise wird schnell zum Alptraum, wenn aus einem kleinen Problem ein großer finanzieller Schaden entsteht, weil der notwendige Versicherungsschutz nicht gegeben ist.

Wer ein Retreat durchführt ist Reiseveranstalter

Egal ob der Fokus des Retreats auf Yoga, Tai-Chi, Pilates, Wandern oder Achtsamkeit, , Persönlichkeitsentwicklung, Meditation, Ayurveda oder TCM liegt.  Alle Retreats haben eines gemeinsam: Sie finden an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen abseits vom Wohnort der Teilnehmer statt. Es liegt deshalb in der Natur der Sache, dass den Teilnehmern eine Unterkunft, Verpflegung und sonstige Leistungen geboten werden müssen, die über das eigentliche fachliche Thema hinausgehen. Per Definition wird der Coach / Lehrer, der ein Retreat plant und durchführt somit zum Reiseveranstalter.

Definition Reiseveranstalter: "Unternehmen, die eigene Leistungen sowie Leistungen Dritter Leistungsträger (z.B. Hotels, Fluggesellschaften) zu touristischen Angeboten (Pauschalreise, Bausteinreise) zusammenfassen bzw.kombinieren und über Kataloge (offline/online) auf eigene Rechnung und auf eigenes Risiko vertreiben." Quelle

Prof. Dr. Adrian Freiherr von Dörnberg FH Worms, Touristik/Verkehrswesen
Der Leiter eines Retreats muss sich somit neben der Organisation der Reise (Unterkunft, Verpflegung, benötigtes Material, Flughafentransfer etc.) auch mit einer ganzen Palette rechtlicher Fragen auseinandersetzen. Das BGB (bürgerliches Gesetzbuch) verfügt im §651 über sage und schreibe 25 Unterparagraphen, die sich alle mit dem Thema Pflichten eines Reisveranstalters auseinandersetzen. Das allein zeigt, wie komplex die Thematik ist und welches finanzielle Schadenspotenzial im vermeintlich simplen Planen und Durchführen einer Reise steckt.

Hürden und Risiken bei der Veranstaltung von Retreats

Die hohen rechtlichen Anforderungen an Reiseveranstalter beziehen sich in erster Linie auf Haftungsfragen. Viele Reisen führen an Ziele im Ausland. Daher wird ein großer Teil der Reiseleistungen konsequenterweise von Unternehmen erbracht, die Ihren Sitz nicht in dem Land haben, in dem die Reisenden ansässig sind. Hotels und Ferienwohnungen werden von Unternehmen im Reiseland vermietet. Die Verpflegung wird im Reiseland von lokal ansässigen Köchen zubereitet und auch alle anderen Reisezusatzleistungen vom Flughafentransfer bis zur geführten Stadttour werden von unterschiedlichen Unternehmern mit Sitz im Zielland erbracht.  Was passiert aber, wenn bei diesen Leistungen etwas schief geht? Der Guide erscheint nicht  zum vereinbarten Zeitpunkt und eine geführte Wanderung fällt aus oder wegen einer Panne am Fahrzeug verpasst ein Teilnehmer seinen Rückflug. All das sind glücklicherweise Ausnahmen, aber ausschließen kann und sollte der Reiseveranstalter diese Ausnahmen dennoch nicht.
Das Problem liegt darin, dass es für den einzelnen Reisenden oft schwer ist, seine Rechte auf Schadensersatz beim Anbieter der Leistung direkt geltend zu machen. Es ist oft schlichtweg nicht oder nur mit sehr hohem Einsatz möglich, im Ausland zu klagen. Der Gesetzgeber sieht deshalb vor, dass der Reiseveranstalter bei auftretenden Problemen in Haftung genommen werden kann.
Der Reiseveranstalter haftet auch für die Leistungen Dritter!!!
Reisende können und werden also ihre Regressansprüche in der Regel beim Reiseveranstalter geltend machen. Wie wir oben gesehen haben ist das der Coach, der das Retreat organisiert und die einzelnen Leistungen gebucht hat. Das Gesetz verpflichtet Reiseveranstalter deshalb dazu eine Reihe von Versicherungen abzuschließen die zum Wohle aller Beteiligten im Zweifel sicherstellen, dass es kein böses Erwachen gibt. Wer diese Versicherungen nicht vorweisen kann muss mit einem Bußgeld bis zu 30.000€ rechnen.
Darüber hinaus stellt sich auch aus gewerblicher Sicht eine Problematik ein. Wenn das Planen und Durchführen eines Retreats bedeutet, dass ein Coach zum Reiseveranstalter wird, muss auch das Veranstalten von Reisen auf dem Gewerbeschein des Coaches eingetragen sein. Ein Coach, der eine Retreat-Reise organisiert, muss die Tätigkeit als Reiseveranstalter auf dem Gewerbeschein eintragen!!!
Auch die umsatzsteuerliche Betrachtung ist für Reiseveranstalter nicht trivial. Ob, wo und in welchem Maße Umsatzsteuer auf einzelne Teile der Reise oder auf ihre Gesamtheit anfällt regelt der §25 des UStG (Umsatzsteuergesetz). Auch dieser Paragraph führt dutzende verschiedene Fälle auf und ist selbst für Experten nicht immer ganz eindeutig.
Ob und für welche Teilleistungen Umsatzsteuer ausgewiesen bzw. erhoben werden muss, ist im Einzelfall zu prüfen!!!
Als vierte Schwierigkeit stellt sich für viele Coaches dar, dass sie nebenberuflich tätig sind und sich alsKleinunternehmer registriert haben. Kleinunternehmer genießen den Vorteil, keine Umsatzsteuer abführen zu müssen. Sie dürfen aber pro Kalenderjahr nicht mehr als 17.500€ Umsatz machen. Schon ein einziges Retreat mit 12-15 Teilnehmern bringt einen Retreat-Leiter somit in der Regel nah an dieUmsatzgrenze, die bei der Kleinunternehmerregelung pro Jahr möglich sind.
Ein Retreatleiter, der als Kleinunternehmer tätig ist, kommt schnell an seine gesetzlich erlaubte Umsatzgrenze!!!
Dies ist zwar grundsätzlich kein Problem. Im Folgejahr des Retreats wird der Coach aber auf alle erbrachten Leistungen Umsatzsteuer abführen müssen. Dies wirkt sich drastisch auf die Wirtschaftlichkeit der gesamten Tätigkeit aus.

Zusammenfasung: rechtliche Schwierigkeiten

Das Thema dieses Beitrags ist mindestens ebenso trocken wie wichtig. Wir fassen hier deshalb noch einmal kurz zusammen, welche rechtlichen Schwierigkeiten es beim Planen und Durchführen von Retreat-Reisen gibt. Der Gesetzgeber hat definiert, dass jeder, der mindestens zwei Leistungen zu einer Reise bündelt und diese an Reisende verkauft als Reiseveranstalter einzustufen ist. Damit gehen für Coaches / Lehrer , die eine Retreatreise anbieten wollen vier wesentliche Schwierigkeiten einher:
  1. Haftungsrisiken
  2. Gewerberisiken
  3. Umsatzsteuerschwierigkeiten
  4. ggf. Umsatzrisiken für Kleinunternehmer
Du weißt jetzt, welche Probleme und Schwierigkeiten bei der Veranstaltung einer Retreat-Reise auf dich zukommen. Wie du damit umgehen und diese lösen kannst, findest du in Teil 2 Rechtliche Hürden bei der Planung und Durchführung von Retreats (II) dieses Beitrags.

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