Portugal – barrierefreies Reiseziel

Portugal – barrierefreies Reiseziel

Portugal hat von der Welttourismusorganisation (WTO) eine Auszeichnung als offiziell barrierefreies Reiseziel erhalten. Gleichzeitig Stellen sich viele der hier Lebenden die Frage, wie das sein kann. Denn barrierefreiheit wird hier in der breiten Masse nicht wahrgenommen. Wie kam es also zu dieser Auszeichnung und was bedeutet sie?

Auszeichnung durch die Welttourismusorganisation

In den letzten Tagen wurde es immer wieder an verschiedenen Stellen berichtet. Portugal ist barrierefrei. Besonders im Rahmen des Welttourismustages am 27.09.2019 wurde es von allen Seiten verkündet.

Tatsächlich ist die Situation etwas anders. Die Welttourismusorganisation hat Portugal als erstes Land dafür ausgezeichnet, starke Bemühungen unternommen zu haben, um barrierefreiheit für Menschen mit körperlichen Einschränkungen zu erreichen.

Wie ist die gefühlte Situation?

Es fragen sich deshalb derzeit zu Recht viele der hier lebenden Menschen, wie es sein kann, das diese Auszeichnung an Portugal verliehen wurde. Viele Altstädte im ganzen Land sind mit zwar stilistisch schönen, aber eben absolut nicht barrierefreien Böden gepflastert. Steile Treppen, zu denen es keine Umgehungswege gibt, hohe Bordsteinkanten, fehlende Gehwege, und natürlich auf Grund der Topographie schwer zugängliche Strände. All dies sind seit langem existierende Probleme und flächendeckende Besserung ist nicht wahrnehmbar.

Besonders bei facebook wird das Thema wie gewohnt hitzig diskutiert.

Was bedeutet die Auszeichnung?

Im Endeffekt wurde Portugal aber, wie oben geschrieben nicht dafür ausgezeichnet, barrierefrei zu sein. Die Auszeichnung gab es dafür, eben stärkere Anstrengungen als andere Länder unternommen zu haben, in den touristisch relevanten Regionen Barrierefreiheit herzustellen.

Diese Auszeichnung wurde zum ersten Mal vergeben. Das zeigt, dass der Megatrend der alternden Bevölkerung im Tourismus angekommen ist. Natürlich gibt es bislang nirgendwo auf der Welt flächendeckende Barrierefreiheit gegeben. Ganz offenbar ist aber Portugal auf einem guten Weg und nach Einschätzung der Jury der Welttourismusorganisation offenbar in seinen Bemühungen erfolgreicher ist, als andere Touristenregionen.

Das ist der Grund für die Auszeichnung und das ist gleichzeitig ein wirklich sehr gutes Zeichen.

Es scheint, als sei Portugal auf einem sehr guten Weg, sich auf die Probleme der Zukunft einzustellen. Klimaschutz, Landschaftsschutz, Ressourcenschutz sind schon lange diskutierte Themen. (Selbstverständlich ist auch hier in den letzten Jahren längst nicht alles gut und richtig gelaufen, wenngleich vieles gutes auf den Weg gebracht wurde und sich besonders in jüngerer Vergangenheit einiges getan hat. Aber das ist Material für einen anderen Blogbeitrag.)

Portugal hat aber offenbar auch erkannt, dass jetzt der Zeitpunkt ist, sich auf die großen Herausforderungen der Zukunft vor zu bereiten. Bislang wurden 116 Projekte in Portugal gefördert, die der Herstellung der Barrierefreiheit dienen.  (Quellen: “Entdecken Sie Algarve”, “lonelyplanet”).

Die Auszeichnung ist also kein lob für Erreichtes, sondern eine Honorierung der Bemühungen und Anerkennung des Fakts, dass Portugal sich poraktiv auf die Herausforderungen der Zukunft einstellt.

Aus meiner Sicht, ist das allemal eine Auszeichnung wert und Grund genug zu feiern. Auch wenn natürlich noch längst nicht alles gut ist!

Was ist deine Meinung?

Wie siehst du das? Ist Portugal auf einem guten Weg? Gibt es andere Länder, die sich ebenso stark oder sogar stärker für die Herstellung von flächendeckender Barrierefreiheit einsetzen? Ist Portugal zu Recht ausgezeichnet worden, oder kam die Auszeichnung zu früh?

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Die Auszeichnung Portugals als barrierefreies Reiseziel erinnert mich an etwas an den Friedensnobelpreis für Barack Obama. Der wurde kurz nach seiner Wahl ausgezeichnet und hatte für den Frieden noch nicht viel getan.- Also, Belobigung als Vorschuss-Lorbeer. Das kann funktionieren.
    Ich bin begeisterter Portugal Tourist und Rollstuhlnutzer. Ich habe noch keine genaue Vorstellung, wie die Lage für einheimische Behinderte ist. Meine Ahnungen sind eher trübe. Für Touristen mit Behinderung ist sie absolut bescheiden. Ich habe im Winter 2016/17 ca. 25 Häusern zwischen Sagres und Monte Gordo , auf barrierefreiheit gecheckt. Die Mehrheit der als rollstuhlgerecht ausgewiesenen Zimmer hatte entweder keine unterfahrbare Dusche oder keine Haltegriffe an der Toilette. Gelegentlich fehlte beides. Bettenhöhen waren für Rollstuhlfahrer ungeeignet. Die Einrichtungen des Hauses, wie Park, Sauna, Schwimmbad, Fitnessräume waren so gut wie nie für Gäste mit Behinderung nutzbar. Gelegentlich führte eine herrschaftliche Auffahrt zum Eingang des Hotels, so dass behinderte Gäste das Haus kaum allein erreichen können.
    Eine speziell ausgestattete Anlage mit 20 vermeintlich barrierefreien Zimmern liegt in Riechweite einer Kläranlage. Sie wird vom größten deutschen Spezialveranstalter für Reisen mit Behinderung als Musteranlage beworben. Die „Zielmarktanalyse Portugal 2015“, hrsg. von der Deutsch-Portugiesische Handelskammer, berichtet, dass es an der Algarve 361 sog. barrierefreie Gästezimmer in 251 Hotels gibt.- Selbst der Bericht bezeichnet den Zustand als „äußerst bescheiden“.
    Auch die Umfeldmaßnahmen sind mehr als mangelhaft. Um einen defekten Rollstuhl zu reparieren, muss man auf den Zweiradhandel ausweichen oder wochenlang warten. Der einzige Anbieter in Lagos schickt kaputte Stühle zur Reparatur in den Norden. Es gibt nur einen Nischenanbieter (Center Algarve, Ohlao) der Autos für Rollstuhlfahrer anbietet. Behinderte Touristen, die nicht, wie ich, mit eigenem Auto kommen, können die Hotelanlage zum spazieren gehen verlassen. Das war´s. Barrierefreie Busse:Fehlanzeige. Positiv bleibt zu vermelden, dass es in Portugal ein Gesetz gibt, dass Anbieter vorn Dienstleistungen, also auch alle Geschäfte, Restaurants etc., verpflichtet, Rampen und Toiletten vorzuhalten. In Deutschland gilt das nur für die staatliche und kommunale Einrichtungen.

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