Flugreisen zum Yogaretreat #GretaThunberg

Flugreisen zum Yogaretreat #GretaThunberg

Eines vorweg: Greta Thunberg hat Recht!

Wer sich konsequent für Klimaschutz einsetzt sollte auch nicht mehr so oft mit dem Flugzeug reisen. Fliegen ist klimaschädlich. Das wissen wir nicht erst seit Greta Thunbergs Rede bei der Verleihung der goldenen Kamera. In einem unserer ersten Blogbeiträge haben wir das bereits benannt. Wir von sun & soul organisieren Retreat-Urlaube an der Algarve und damit sind wir an dieser Stelle ganz klar ein Teil des Problems. Wir möchten trotzdem oder gerade deshalb unsere Gedanken zu der Rede vom 30.03.2019 mit euch teilen.

Worum geht es?

[…] We live in a strange world. Where we think we can buy or build our way out of a crisis that has been created by buying and building things.
Where a football game or a film gala gets more media attention than the biggest crisis humanity has ever faced.
Where celebrities, film and pop-stars who have stood up against all injustices will not stand up for our environment and for climate justice because that would inflict on their right to fly around the world visiting their favorite restaurants, beaches and yoga retreats.

Mit diesem Worten hat sich Greta Thunberg bei Ihrer Rede im Rahmen der Verleihung der goldenen Kamera an das Auditorium und die Weltöffentlichkeit gewandt. “Wir leben in einer komischen Welt […] in der Stars […] nicht für unsere Umwelt und Klimagerechtigkeit aufstehen, weil das Ihr Recht beeinträchtigen würde, um die Welt zu fliegen und […] Yoga-Retreats zu besuchen”.

Natürlich stehen Yogaretreats hier nur stellvertretend für eine Form der Freizeitgestaltung, die gerade sehr in Mode ist und für die nicht selten längere Anreisezeiten in Kauf genommen werden. Genauso gut hätte Greta Thunberg auch die mindestens ebenso beliebten Städte-Kurztrips oder andere Reisen auswählen können. Insofern wollen wir hier keine Verteidigung von Yoga-Retreats vornehmen, sondern lediglich unsere Gedanken zu Flugreisen und einem verantwortungsbewussten Umgang mit solchen darlegen.

Öko und Luxus

Die meisten Teilnehmer eines Retreat-Urlaubs sind tendenziell nachhaltig eingestellt. Was das im Einzelnen bedeutet, kann dabei natürlich nur die jeweilige Person beantworten. Frau Thunberg prangert völlig zu Recht an, dass bei zu vielen Menschen, die Bereitschaft etwas für die Umwelt zu tun nur soweit reicht, bis man etwas am eigenen Verhalten ändern muss.Wie oft erlebt jeder von uns im eigenen Umfeld, dass unsere Mitmenschen sagen, dass zu viel Fleisch produziert und konsumiert wird und dass die Bedingungen unter denen Hühner, Rinder und Schweine gehalten werden insgesamt katastrophal sind. Oft packen die gleichen Menschen beim nächsten Einkauf dann wieder die günstigste Wurstpackung vom Discounter in den Einkaufswagen. Fakt ist, dass unsere Gesellschaft nicht bereit ist am eigenen Lebensstandard zu schrauben, um die Welt ein bisschen besser zu machen.

Das Dilemma besteht also in dem Spannungsverhältnis zwischen einer luxuriösen und einer ökologisch nachhaltigen Lebensweise. Flugreisen und Fleischkonsum sind da nur zwei von vielen Aspekten.

Wir versuchen die Welt realistisch zu betrachten: Weil also das oben beschriebene Spannungsverhältnis existiert, müssen wir versuchen innerhalb dieses Dilemmas so gut es geht nachhaltig zu leben, ohne dabei den Lebensstandard über die Toleranzgrenze des Einzelnen hinaus zu senken.

Was kann also unser Beitrag sein?

Bleiben wir beim Beispiel Fleischkonsum:

Wir haben bereits persönlich erlebt, wieviel hilfreicher es ist, Mitmenschen von den Vorteilen eines geänderten Fleischkonsums und davon, dass dies eben keinen Rückgang im persönlichen Lebensstandard bedeutet zu überzeugen, statt zum totalen Fleischverzicht zu missionieren.
 
Die Argumente
  • dass nachhaltig hergestelltes Fleisch zwar teurer, aber auch deutlich leckerer ist,
  • dass die Reduzierung des Fleischkonsums zu einer Ausweitung des persönlichen Portfolios an verwendeten Lebensmitteln (mehr Gemüse und Hülsenfrüchte) führt und dadurch die Essenspalette und den Lebensstandard erhöht
  • und dass dies in Summe, trotz des Konsums teureren Fleischs, zu einer Senkung der Ausgaben für Lebensmitte führt,
haben schon mehrere Menschen in unserer Umgebung überzeugt. Genauso muss es auch mit Flugreisen sein.

Besser zum Yogaretreat fliegen, als zum Ballermann

Wir haben also gesehen, dass die Erfahrung zeigt, dass Menschen nicht bereit sind, radikal zu verzichten. Wir haben gesehen, dass sinnvolle Argumente, die zu einem bewussteren Umgang mit endlichen Ressourcen führen durchaus zielführend sein können.

Was bedeutet das nun für Flugreisen?
  1. Reise nicht um die halbe Welt!
    Es gibt sehr viele, sehr schöne Orte in Europa. Die Nord- und Ostsee sind schön! Die Alpenregion ist schön! Warm und schön ist es in Südeuropa. Eine Retratreise ist eine Auszeit, ein Rückzug, eine Einkehr zu sich selbst. Und ja, es ist auch ein Luxusgut. Wenn du eine solche Reise antrittst hast du ein Ziel. Oft geht es um persönliche Weiterentwicklung und Selbstverwirklichung. Auch das ist ein hohes Gut, das neben dem Klimaschutz seine Berechtigung hat. Damit deine Reise den gewünschten Effekt hat, muss sie an einen Ort führen, an dem du dich sehr wohl fühlst. Wenn das im Einzelnen voraussetzt, dass es warm und sonnig ist, ist Südeuropa der richtige Ort. Es muss nicht Indien, Bali oder die Karibik sein. Eine Reise um die halbe Welt ist um ein vielfaches umweltschädlicher, als eine Reise von Mittel- nach Südeuropa.
    Durch ein Retreat an der Algarve ist also der Luxusaspekt und das Ziel der Selbstverwirklichung erfüllt und im Bezug auf die Schädlichkeit der Reise ein vertretbarer Kompromiss gefunden.
  2. Wachse an der Reise!
    Nutze das Retreat, um etwas zu lernen. Versuche etwas für dich persönlich mitzunehmen und in Zukunft anders zu machen, als zuvor. Yoga-Retreats sind oft begleitet von vegetarischer Küche und biologisch hergestellten Lebensmitteln. Hier lernst du also möglicherweise auch etwas über eine gesunde und ausgewogene Ernährung und kannst dies für die Zukunft mit nach Hause nehmen. Eine Woche Vollpension am Ballermann bringt diesen positiv und langfristig nachhaltigen Aspekt sicherlich nicht mit sich.
  3.  Sei dir der Auswirkungen der Reise bewusst.
    Ignoriere die negativen Aspekte für die Umwelt nicht. Versuche nicht, sie zu relativieren, sondern sei offen und ehrlich zu dir und zu anderen diesbezüglich. Das Bewusstsein hierfür wird dazu führen, dass du die beiden zuvor genannten Punkte beherzigst. Es gibt mittlerweile auch eine Reihe von Anbietern, die dir klimaneutrales Reisen ermöglichen. Das Pflanzen von Bäumen bringt natürlich das verbrannte Kerosin nicht wieder als Erdöl unter die Erde, aber es ist immerhin ein kleiner Schritt, um freigesetztes CO2 wieder zu binden.
 

Fazit

Wir geben Greta Thunberg absolut Recht. Viel zu viele Menschen scheuen sich davor, den eigenen Lebensstil zu hinterfragen und tun deshalb lieber nichts, um das Klima zu retten. Unser Ansatz ist es, an der Realität orientierte Lösungen vorzuschlagen. Wir haben deshalb einige Gedanken und Vorschläge, wie du bewusst Reisen und den negativen ökologischen Einfluss direkt oder indirekt minimieren kannst.

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